rebellomex hat geschrieben:Erst einmal: Sehr interessante Idee und ein ziemlich innovativ.
Besten Dank

Zum Grundentscheid: Da gehen wir davon aus, dass wir eine Armee wollen (denn wir hier wollen sie), definieren ihre Aufträge aber nicht. (So als Vorgabe für die Frage).
Meines Erachtens muss dann der Auftrag "neu" definiert werden: Die "Armee" (ich würde das Oberkonstrukt dann Schadenwehr Schweiz nennen) hat grundsätzlich vier Kernkompetenzen und -Aufgaben:
Auf Stufe Miliz gilt es die Kompetenz zu erhalten, die Schweiz im Verteidigungsfall zusammen mit allierten Truppen verteidigen zu können. Dabei sollte die Kompetenz so ausschauen, dass die Ausbildung zu 65% auf Asymmetrische Bedrohungen und zu 35% auf symmetrische Szenarien ausgelegt sind. Die zweite Kernkompetenz auf Stufe Miliz besteht in der Schadenabwehr von Grossschadenlagen, sprich Naturkatastrophen, MANV usw. Dazu wird ja u.A. auch der Zivilschutz in die Organisation "Schadenwehr Schweiz" integriert.
Für die Profis gibt es zwei weitere(!) Kernkompetenzen: Sie müssen in der Lage sein, bei asymmetrischen Ereignissen in der Schweiz und im Ausland aus dem Stand eingesetzt zu werden. In der Schweiz bedeutet dies eine vermehrte Zusammenarbeit mit den Schweizerischen Polizei-Korps (die bei einem echten Anschlag meiner Meinung nach schnell am Limit laufen und nicht effektiv genug handeln können, nicht zuletzt aufgrund des Föderalismus, an dem ich aber grundsätzlich festhalten möchte).
Die zweite Kernkompetenz liegt in einer Stufengerechten Ausbildung aller Mitglieder dieser "Schadenwehr Schweiz", seien dies nun Rekruten oder Wiederholungsdienst leistende Personen.
Anrechnung von Feuerwehr, etc.: Finde ich sehr sinnvoll, die Frage hier: Wie macht man eine faire Abgrenzung? Es gibt viele, die leisten freiwillige Arbeit als Trainer, Spitex, etc. was auch sehr wichtig fürs Land ist. Es ist auch Dienst am Land und sollte folglich angerechnet werden?!
Gute und nicht einfach zu beantwortende Frage!
Mein Erster Ansatz sieht folgendermassen aus:
Sämtliche Arbeiten, die bislang bereits für behördliche Organe ausgeübt werden werden unter dem Konstrukt "Schadenwehr Schweiz" zusammengefasst. Ich gehe davon aus, dass bislang schon die meisten dieser Organisationen den VBS unterstehen. Mir geht es nicht darum zwangsweise alle freiwilligen Arbeiten direkt und 1:1 an die Dienstleistung anzurechnen, sondern primär diese, die der Bevölkerung auch bei Grossschadenlagen helfen. Die Organisation der Spitex ist mir bislang zu wenig bekannt, als dass ich weiss ob diese z.B. kommerziell betrieben wird oder auch auf dem System der Freiwilligkeit besteht. IMO werden aber Spitex-Leistungen durch Krankenkassen vergütet, womit ein wirtschaftliches Interesse im Vordergrund steht. Diesen Organisationen kann zwar noch geholfen werden (Genauso wie Ski-Weltcup usw), jedoch werden die Arbeiten zu konkurrenzfähigen Preisen verrechnet. Es darf nicht sein, dass Verbände und Organisationen teilweise Millionenbeträge an Gewinnen einstreichen während ein Staat/Kanton/Gemeinde Massiv an Geld zu investieren hat. Aber das wäre schon fast wieder eine eigene Diskussion Wert

Nach 3 Jahren Laufzeit müssten hier ggf. Korrekturmassnahmen getroffen werden.
Wehrgerechtigkeit: Ausländer sollen auch Dienst leisten um Gerechtigkeit herzustellen. Zivildienst bleibt und da gehen auch die Ausländer hin (z.B. für Naturschutzprojekte, Dolmetscher bei der Polizei). Fördert das Gefühl der Zusammengehörigkeit und Integration in der Schweiz und werden nicht einfach nur ausgeschlossen. V.a. Ausländer welche min 1 Jahr in der Schweiz in der Schule waren sollen da betroffen sein, da diese eh im Land bleiben. Und wir wollen ja nicht einen 28-jährigen Deutschen im Zivildienst der gerade erst gekommen ist und in paar Jahren wieder geht.
Diesen Ansatz finde ich sehr gelungen. Wie gesagt, ich würde diese Dienstleistungen nicht unter dem Titel "Zivildienst" führen. Mir hat die heutige Form des Zivildienstes zu viele Sonnenseiten. Die Art des Dienstes, der Zeitpunkt usw. kann sehr frei gewählt werden (wurde bei der Menge der Zivis jetzt zwar auch wieder schwerer, aber grundsätzlich sind da zwei verschiedene Systeme im Einsatz was nicht fair ist). Renaturierungen und Unterhalt von Schweizer Nationalparks usw. sollen dann z.B. nicht Arbeiten des Zivildienstes sein, sondern direkt bei diesen Stellen durch angestellte (eine Lösung wäre z.B. wenn ein Personalpool auf Bundes-Ebene für solche Dienste vorgehalten wird. Dieser Pool wird dann vordergründig durch Personal gefüllt, die z.B. auf dem Arbeitsmarkt als schwer/nicht vermittelbar gelten). Das Geld dazu kommt aus den Einsparungen, die dieses System mit sich bringen würde.
Wehrsystem: Grundsätzlich Miliz, effizientere Gestaltung gemäss deinem Vorschlag ist wünschenswert, aber ob in dieser Form will ich mal stehen lassen. Meiner Meinung nach reichen Simulationen nicht aus und es sollte auch von der Miliz geführt werden. --> Man ist eine Schicksalsgemeinschaft.
Mit den Simulationen bin ich nur oberflächlich auf die Problematik eingegangen. Ich meinte dies vielmehr so, dass die Ausbildung nicht mehr durch die Miliz gemacht wird. Es gibt schlicht zu viele, die die Systeme selbst nur sehr schwach kennen und können dann nicht korrekt/effizient ausbilden. Dieses Problem kann mit Profis sehr einfach und effizient aufgefangen werden.
Was die Führung betrifft bin durchaus der Meinung, dass auch das Milizkader führen soll. Nur stellt sich immer die Frage nach dem Rahmen. So schlage ich vor, dass z.B. eine Bat-Übung erst einmal auf dem Tisch durchgespielt werden soll. Hier kann das Hohe Kader richtig hart beübt werden und Fehler (die geschehen sollen!) werden erkannt und im nächsten Durchgang korrigiert. Auch werden auf dieser Basis bei einer Ausgangslage plötzlich mehrere taktische Lösungen gefunden und aufgezeigt. Diese Situation soll eine Klima des Dialoges fördern denn keiner von uns ist so gut, dass er nicht aus den Ideen und Fehlern der anderen lehren könnte.
Später soll eine Bat-Übung real durchgespielt werden. Auf dieser Stufe soll der Fokus aber nicht mehr darauf liegen den Bat-Kadi samt Stab zu beüben, sondern man will sehen wie die Truppen im Einsatz zu führen sind, wie sie sich verhalten und wie. z.B die Kommunikation und Logistik von oben nach unten und von unten nach oben funktioniert. Da der Stab bereits ein grobes Drehbuch vor sich liegen hat, werden Fehler schneller/einfacher aufgedeckt und es ist sichergestellt, dass die eingesetzten Truppen nicht "rennen um zu warten" sondern wirklich etwas zu tun haben. Verlaufen solche Übungen auf einem akzeptablem Niveau kann auch einmal das gesamte Bat beübt werden, indem niemand von der Übung weiss und alles rollend geplant werden muss. (Und auch wenn das jetzt etwas kompliziert klingt, das funktioniert wunderbar und der Ausbildungseffekt ist massiv erhöht, die Moral in der Truppe ebenso!)
System: Es gibt die drei Dienste plus man kann auch kein Dienst machen. Alles frei wählbar und gleich lang. Aber das ganze wird über Vergütung und Abgaben geleitet. Die Dienste haben Sollbestände. Es wird alle 4 Jahre der Tarif angepasst. D.h. z.B. wenn es zu viel Wehrdienstwillige hat, dann sinkt die Ersatzabgabe, wenn es zu wenige hat, steigt sie. Genauere Ausführungen später.
So hat man Freiwillige dabei, die man bei Fehlverhalten auch freistellen kann, dann müssen sie halt zahlen.
Gefällt mir, das hat System, ist transparent und für alle gleich. Insbesonders gefällt mir der Ansatz, dass Personen durch Eigenverschulden auch ausgeschlossen werden können und dann entsprechend zu bezahlen haben (bei Ausschluss durch Selbstverschulden um einen Einkommensabhängigen Faktor grösser damit sich die reichen nicht "auskaufen" können).